Zu Besuch bei Prärie-Ukrainern

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Manche Ecken in Alberta und Manitoba sehen aus, als wäre man in Osteuropa gelandet. Kein Wunder, denn dieses Jahr feiert Kanada 125 Jahre Einwanderung aus der Ukraine. In Dauphin bin ich zu Gast bei ukrainischen Großmüttern – nicht nur Expertinnen im Brotbacken, sondern auch im Tanzen.

Als sich die Türen des Gemeindezentrums von Dauphin öffnen, ertönt laute slawische Musik. Eine Frau in bestickter Bluse setzt ihr schönstes Willkommenslächeln auf und wirkt, als wollte sie uns alle an ihre Brust pressen. Die „Babas“ warten schon – ukrainische Großmütter, die uns in einem Crashkurs das Brotbacken nach alter Tradition beibringen sollen. Nicht irgendein Brot, sondern liebevoll verzierte Laibe.

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„Vögel symbolisieren die Natur“, erklärt Kay Slobodzian, deren Eltern 1899 aus der Ukraine nach Kanada auswanderten. „Die Rose steht für Wohlstand, Zöpfe für die heilige Dreifaltigkeit“, leitet sie uns an. Ungeschickt machen wir uns ans Werk, legen krumme Zöpfe, Kreuze und Schnüre, während uns die Damen mit ihren Superlativen zu motivieren versuchen: „Jedes Jahr zu Ostern backen wir 700 Brote für die Gemeinde“, sagt Slobodzian. Hin und wieder greift sie ein, wenn eines unserer Kunstwerke allzu skurrile Formen annimmt. „Das Brot muss von oben und unten gleich gut aussehen“, korrigiert sie uns.

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Unser Besuch bei den Ukrainern ist kein Zufall, haben sie die Region doch mit geprägt: Ab der Wende zum vorletzten Jahrhundert strömten Siedler aus der Ukraine nach Kanada – und die Prärieprovinzen empfingen die Arbeitskräfte mit offenen Armen für den Einsatz beim Eisenbahnbau und in der Landwirtschaft. Jeder Neuankömmling bekam großzügig Land geschenkt. Die Kultur aus der einstigen Heimat wird hier noch hochgehalten, zum Beispiel im Rahmen des seit fast 50 Jahren abgehaltenen Ukrainian Festival.

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Gastfreundschaft war immer ein hohes Gut in der Gemeinde, deshalb fanden alle Mitglieder die Idee erst einmal skurril, von Touristen Geld fürs Brotbacken zu verlangen. Und konnten sich erst recht nicht vorstellen, dass jemand freiwillig dafür zahlen würde. Nun fließt für jede Gruppe wie unsere Geld an die Kirchengemeinde, und die Babas sind begeistert, dass sie soviel Zuspruch erfahren – inzwischen gibt es nach dem Kochen sogar einen kleinen ukrainischen Tanzkurs.

Infos: In Dauphin findet jedes Jahr Canada’s National Ukrainian Festival statt (29.-31.07.2016). Hier wird bei ukrainischer Musik in traditionellen Kostümen Polka getanzt, zu alten Volksliedern erklingt die Geige, es gibt jede Menge Wettbewerbe und Essen – natürlich wird auch Brot gebacken. 

Die Recherche zu diesem Beitrag fand mit Unterstützung von Travel Manitoba statt.

 

Zeitreise in ein ukrainisches Dorf

Auch in Alberta haben ukrainische Einwanderer Spuren hinterlassen: 50 Kilometer von Edmonton entfernt liegt das Ukrainian Cultural Heritage Village, ein Nachbau einer ukrainischen Siedlung, wie sie in den ländlichen Gegenden in Alberta zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden waren.

In dem Freilichtmuseum kann man zusehen, wie Piroggen (gefüllte Teigtaschen) und Holubzi (Kohlrouladen mit Reis und Fleisch) zubereitet werden, mit dem Schullehrer plaudern oder sich auf einer Kutsche übers Gelände bringen lassen.

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Ukrainische Kirche im Freilichtmuseum.
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Darsteller zeigen das Leben der Pioniere.
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Pferdekutschen rattern über das riesige Gelände.
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Haus im ukrainischen Stil.
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Der Kutscher erzählt Geschichten.

Infos: Das Museum hat im Sommer täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt neun Dollar. 

Die Recherche zu diesem Beitrag fand mit Unterstützung von Travel Alberta statt.


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