Manitoba by Train: Winnipeg-Hudson Bay, Tag 1

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An Bord des Viarail-Zuges nach Churchill bekommt man ein Gefühl für die Weite Manitobas. Am ersten Tag heißt das Motto: Slow travel durch Farmland. 

Dieser Zug ist ganz „retro“ – ich fühle mich wie in einen Manufaktum-Katalog versetzt: angefangen bei den Polstersitzen mit herausklappbaren ledernen Armstützen bis hin zu den Lichtschaltern aus Metall, die wie kleine Joysticks aus der Wand ragen. „Dabei wurde bei der letzten Renovierung vieles entfernt“, sagt der stellvertretende Chief of Service Ronald Susmelj. Die Aschenbecher natürlich, aber auch die Halter für die Schuhcremebüchsen, die Rasierklingenbehälter und die Wandgemälde auf Leder.

Zwischenhalt im Nichts.

Zug 693 verlässt Winnipeg „durch die Hintertür“. Langsam rattert er über den Red River, dann vorbei an Bürogebäuden und Wohnblocks, Parkplätzen und Tankstellen, Sportplätzen und Industriebrachen, dazwischen leuchten gewaltige Logos der Fastfood-Ketten. Vor mir liegen rund 1.700 Kilometer durch die Weite Manitobas: erst Farmland, dann Wälder, dann Tundra. Zwei Tage soll die Fahrt dauern – wenn alles gut geht.

Farmland bis zum Horizont. Kurz hinter der Stadtgrenze das ersten markerschütternde „Heulen“ der Lok – unsere Musik für die kommenden Tage. Mit Tempo 30 schaukelt die Bahn durch die ersten Getreide- und Rapsfelder. So muss sich Postkutsche angefühlt haben. Der Zug an die Hudson Bay ist keine Touristenattraktion, sondern ein „Mandatory service train“ zur Versorgung der indianischen Gemeinden des Nordens. „Die Reisenden können keinen Luxus erwarten“, hieß es schon vorher.

Im Dining Car.

Pünktlich um 11.30 Uhr beginnt der Lunch im Dining Car: Burger, Salat, Sandwiches. Alle werden zueinander platziert – da kommt auch für Alleinreisende keine Langeweile auf, denn man lernt bei jedem Essen andere Passagiere kennen: die New Yorkerin, die als Forschungsassistentin nach Churchill fährt; die japanische Großmutter, die ihrem Enkel die Tundra zeigen will; die Künstlerin aus Winnipeg, die mit Belugawalen arbeitet; der Indianer, der zum Ausbessern der Schienen unterwegs ist.

Viarail.

Gegen 21 Uhr ein letzter namenloser Ort. Häuser aus Backstein, Metall und Holz. Der Schrott wird nach hinten zur Bahn raus gelagert, als würde hier niemand hinsehen. Ein kleiner Park mit Kanada-Fahnen, Kinder winken am Übergang, eine alte Holzkirche, dann geht es in den Nebel. Schwarze Schemen – sind es Kühe oder Büffel? Dann taucht Zug 693 ins Dunkel der Nacht.

Fortsetzung:  Winnipeg-Hudson Bay, Tag 2

Infos: Die Fahrt von Winnipeg nach Churchill (und zurück) ist bei Viarail buchbar.

Die Recherche zu diesem Beitrag fand mit Unterstützung von Travel Manitoba statt.


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