Wassertaxi zu „Grauer Eule“

Mit dem Motorboot über den Kingsmere Lake.

Der legendäre Naturschützer Grey Owl lebte einst im Prince Albert National Park. Eine Tour mit dem Boot und zu Fuß führt zu der Hütte, die er mit zwei Bibern teilte. Die wahre Identität des Indianers wurde erst nach seinem Tod publik.

Als wir die Leinen des Motorbootes am Kingsmere Lake lösen, erzählt ein Großvater seinen Enkeln am Strand gerade die Geschichte von Grey Owl, dem Indianer „Graue Eule“. Wie dieser in den 1920er- und 30er-Jahren gegen das Jagen gekämpft und sich für den Schutz der Natur eingesetzt hatte. Und damit zu einem Vorreiter in Kanada wurde.

1931 schickte ihn die kanadische Parkbehörde als Naturschützer in den Prince Albert Nationalpark, wo Grey Owl in einer einsamen Hütte Bücher über das Leben in der Wildnis schrieb. Jeden Sommer paddelten und wanderten Fans an den abgelegenen Lake Ajawaan, um Grey Owl in der „Biberlodge“ zu besuchen. So wie wir heute!

Die Biberlodge.

Mit dem Boot setzen wir über den Kingsmere Lake, den zweitgrößten See in dem Park im Herzen Saskatchewans. Mit dem Wassertaxi eine Sache von einer halben Stunde. Meine Begleiterin Allie McKecknie hat gerade ihren Bachelor in Meeresbiologie gemacht, jetzt jobbt sie als Wildnis-Guide.

Wir legen an einem schmalen Sandstrand an, dann geht es durch  Urwald. Espen und struppige Nadelbäume säumen den Weg, wir pflücken überreife Walderdbeeren. Später führt ein krummer und wackliger Bohlenweg am Lake Ajawaan entlang. Ein rauer, düsterer Ruf hallt übers Wasser. Der Brunftschrei eines Elchs? „Nein, ein Seetaucher“, sagt Allie.

In der Blockhütte.

Dann ist die Blockhütte von Grey Owl erreicht, direkt am Wasser gelegen – mit einem Durchschlupf für die Biber, die bei dem Indianer lebten. „Indianer? Nein, Betrüger!“, hieß es im April 1938, kurz nach dem Tod Grey Owls, auf den Titelblättern der Zeitungen. Archibald Stansfeld Belaney, so sein wahrer Name, war eigentlich aus England eingewandert.

Grab im Wald.

Die Enttäuschung über den „Betrug“ hielt lange an. „Es gibt sogar das Gerücht, dass sein Grab im Wald eigentlich leer sei“, sagt Allie. Auf dem Grunde des Kingsmere Lake soll sein Körper liegen. Doch heute ist die Hütte einer der größten Anziehungspunkte im Park – und Grey Owl wird als Vorreiter der Umweltbewegung gewürdigt.

Info: Mehr zum Prince Albert National Park hier. Die Waskesiu Marina bietet geführte Touren zu Grey Owls Hütte sowie Boote und Kanus.

Nachtrag: Auf der Rückfahrt nach der Tour mit dem Auto plötzlich ein Stau: Eine Schwarzbärin sucht mit ihren drei Jungen am Straßenrand nach Futter. Seelenruhig wühlen die vier in der Erde, um sich dann naach und nach in den Wald zu trollen. Grey Owl hätte das Bild vermutlich gefreut …

Kleiner Bär am Straßenrand.

Die Recherche zu diesem Beitrag fand mit Unterstützung von Tourism Saskatchewan statt.


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